zum Inhalt springen

Kurzexposé Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: Strukturelle und sprachliche Merkmale narrativer Erklärungen im Fach Geschichte

In meinem Promotionsvorhaben gehe ich der Frage nach, wie Schülerinnen und Schüler im Fach Geschichte erklären. Die Frage nach einer genuinen Form des Erklärens hat Geschichtstheorie und -philosophie lange Zeit vor große Herausforderungen gestellt. Mit dem Einzug des narrativistischen Paradigmas sei in der Erzählung die facheigene Form des Erklärens gefunden worden.1 Wie aber sieht eine solche narrative Erklärung in der Empirie aus? Und welchen normativen Vorgaben sollen Lernende folgen, wenn sie im Geschichtsunterricht aufgefordert werden, zu erklären? Die als Hilfestellung gedachten Operatoren in den EPA und dem Kernlehrplan erscheinen bei näherer Betrachtung nicht ausreichend definiert, wenig trennscharf und nicht oder nur teilweise mit fachwissenschaftlichen und -didaktischen Überlegungen übereinstimmend. Aus diesem Grund wurde auf Basis geschichtstheoretischer, -philosophischer und sprachwissenschaftlicher Überlegungen die für das Fach Geschichte essentielle Sprachhandlung des Erklärens operationalisiert.
Mein Promotionsvorhaben verfolgt ein deskriptives und ein experimentelles Ziel: Vor dem Hintergrund des Vorwurfs einer Kluft zwischen geschichtsdidaktischer Theoriebildung und den empirischen Forschungsergebnissen zu den Leistungen von Schülerinnen und Schülern, erscheint es zielführend, sich auf das im Feld Vorfindbare zu konzentrieren.2 Daher versuche ich zu beschreiben, was Lernende unter Erklärungen im Fach Geschichte verstehen und wie sie eine solche Erklärung verfassen.
Des Weiteren wird der Versuch unternommen, in einem quasi-experimentellen Design die Vorstellungen und die Kompetenzen der Lernenden an ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis des Erklärens anzunähern. Zu diesem Zweck werden in regelmäßigen Abständen Interventionen im Klassenraum durchgeführt, um mit den Schülerinnen und Schülern die Merkmale der operationalisierten Form historischen Erklärens zu erarbeiten. Der Erfolg der Interventionen wird mithilfe von Testungen überprüft.


1 Vgl. Jörn Rüsen: Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft. Köln u.a. 2013, S. 162.
2 Vgl. Bernd Schönemann/Holger Thünemann/Meik Zülsdorf-Kersting: Was können Abiturienten? Zugleich ein Beitrag zur Debatte über Kompetenzen und Standards im Fach Geschichte. 2. Auflage. Berlin 2011 (Geschichtskultur und historisches Lernen, Bd. 4), S. 126.